Fahrtechnik beim Inlinefahren

Was unterscheidet schnelle Skater von Anfängern? Sind es die Muskeln? Inline-Skaten ist nicht Fahrradfahren, man muss nicht nur so stark als möglich in die Pedale treten. Wer nicht auf Technik achtet, kriegt keine Tränen vom Wind in die Augen.

Glück gewinnt man nur durch das Wachstum von Kräften. Elisbath Noelle-Neumanns

Wenn man etwas Fahrtechnik kennt und sich konzentriert, braucht man kaum noch Kraft und der Weg ist frei für berauschende Geschwindigkeiten. Das ist es, was Skaten so schön macht: Man schaltet den Kopf nicht aus und pumpt nur mit den Beinen, sondern Konzentration und Technik versetzen den Körper in Bewegung.

Die Fahrtechnik erlernt man mit der Zeit. Deswegen kann man es den Schritten der Skater ansehen, ob sie gerade begonnen haben oder bereits fortgeschritten sind. Hier sind ein paar Techniken aufgelistet, die das Fahren leichter schneller oder schneller leichter machen werden, wann immer man es will.

Diese Seite ist ausdrücklich nichts für totale Fahranfänger, denn die haben mangels Bremserfahrung eher noch Probleme mit hoher Geschwindigkeit. Auf der Erste Schritte - Seite können Sie etwas über das Fahren und das Bremsen lernen.

Was kann man tun?

Man könnte den einzelnen Tipps der nachfolgenden Tabelle auch eine Bewertung mit 1,2 oder 3 Sternchen geben. Dann wären aber hinter jedem Tipp gleich viel Sternchen, denn nur wenn alles stimmt und eingelernt ist, kommt man in den interessanten Geschwindigkeitsbereich auch ohne einen Berg herunterzufahren.
Was? Wann? Effekt
Große und Starke Schritte statt vieler kleiner Immer Schnelle Schritte kosten sonst extra viel Kraft
Körperschwerpunkt tief und möglichst gebeugte Knie Immer Ein langen Kraftweg
Oberkörper flach schnelle Passagen Aerodynamik optimal
Nicht breitbeinig fahren und auf Außenseite gleiten Immer Geringere Kräfte durch Hebelkräfte. Längere Kraftphasen pro Schritt
Schwerpunkt und Kraftansetzpunkt für Schritte nicht auf Vorderfuss eher auf Hacken   Optimale Fussstellung für eine Kraftübertragung ohne Verluste
Feinfühlig die Inliner neu aufsetzen ohne Aufstampfen Vor allem bei hohem Tempo Keine Bremskräfte durch übertriebene Druckkräfte
Gleitphase lange ausführen und Körper ohne Wackler in das Gleiten beschleunigen Immer Schritte werden kräftiger

Niedrigste Körperhaltung

Wegen dem hohen Luftwiderstand, der bei der aufrechten Fahrhaltung entsteht, sollte man versuchen dem Gegenwind eine möglichst kleine Fläche entgegenzusetzen. Das erreicht man durch eine gebückte Haltung nach vorn und eine tiefe Beugung der Knie beim Abstoßen.

Diese Form des Kniens, ist sehr anstrengend auf Dauer. Aber man sollte es trotzdem permanent weiter trainieren, denn wenn erstmal die notwendigen Muskeln dafür aufgebaut sind, ist die Anstrengung beim Tieffahren ausgelöscht.

Es macht unheimlich Laune, wenn man mit der Nase fast den Boden berührt und die Kufen einen auf überhohes Tempo beschleunigen, diese Technik nützt einen entscheidenden Vorteil von Skating aus, den man mit anderen Fahrzeugen kaum nutzen kann. Die Körperhaltung ist grundlegend für Geschwindigkeit, mehr zum Thema Luftwiderstand finden Sie im Anschluss.

Weite Schritte machen

Unter weiten Schritten verstehe ich dass man jeden Schritt lang ausfährt, nicht dass man die Beine bei jedem Schritt weit auseinander macht. Es ist wesentlich besser wenn der aufsetzende Schuh nahe beim abstoßenden gezogen wird, auch wenn das X-beinig aussieht.

Hintergrund: Ein weiter Schritt kostet natürlich mehr Kraft als ein Kurzer. Um gleiche Geschwindigkeit mit kürzeren Schritten zu fahren, brauch ich aber mehr Schritte in der gleichen Zeit. Das ist anstrengend, zumal auch die Skates bei schnellen Schritten auch noch mit höherer Geschwindigkeit umgesetzt werden müssen - die schnellere Bewegung der Schuhe bei jedem kurzen Schritt verlangt sogar noch mehr Umsetz-Energie von den Beinen. Das Fazit: Nicht nur mehr Schritte, sondern auch noch anstrengende Schritte.

Das bemerkt man, wenn man auf engen Gehwegen fährt, auf denen man keine langen Schritte machen kann. Dort kostet es mehr Kraft langsam zu fahren, als wenn man eine volle Straßenseite für weite Schritte zur Verfügung hätte.

So kann man sich auch den auch Einfluss der Drehzahl beim Auto auch vorstellen. Um ökonomisch, das heißt mit möglichst wenig Sprit pro Kilometer, zu fahren muss man hohe Drehzahlen einfach vermeiden. Lange Schritte entsprechen den niedrigeren Drehzahlen des höheren Ganges.

Knie beugen

Die gesamte Power der Beine wird erst dann völlig entfaltet, wenn die Knie von einer starken Beugung bis zur Streckung belastet werden können. Der lange (Kraft-)Weg von Beugung bis Streckung ist für die Geschwindigkeit von großer Bedeutung. Die ersten Erfolge erzeugt aus einem längeren Kraftweg, sollte man erst nach einigen Trainingseinheiten erwarten.

Ja keine Kurve machen!

Max Schnelle: Hilfe, ich bin zu schnell, habe den Teil der "Erste Schritte"-Seite überflogen, dass man unbedingt bremsen üben soll, bevor man richtig auf die Piste geht. Dafür bin ich von der Fahrtechnikseite voll auf Tempodurst gekommen. Nur jetzt fahr ich den Weg von Oberhausen runter und werde immer nur noch schneller. Ich kann nicht bremsen. Was tun?

Karl: Ja das kann einem wahrlich wie ein Problem vorkommen. Handle jetzt nicht mehr überlegt. Kannst Du denn nicht in die Wiese reinfahren und dort Dein Glück versuchen? Oder "mache starke Kurven". Das verlangsamt, nur vielleicht hättest Du schon früher damit anfangen sollen.

Das war live zugeschaltet aus der virtuellen Chatecke: "Mobil". Zumindest bei kleinem Tempo kann ich mit einer einzigen Kurvenbewegung anhalten. Satte Kurven treten richtig in die Eisen. Ob es Max reicht?

Aber auch schon den Minilenk- oder -drehbewegungen hält der Geradeauslauf der langen Schiene straff dagegen. Im Falle eines ungewollten Kürvleins beim Abstoßen, fällt das Bremsen schon ins Gewicht. Es fällt aber in die gleiche Zeit des kraftvollen Schrittes. So fällt es gar nicht auf, dass ein Teil der Vorwärtsenergie Ihres Schrittes fehlt, wenn es den unauffälligen Bremsen zum Fraße fällt.

Note:

Bei schnellen Skateschritten die belasteten Skates gerade halten. Wer beim Abstoßen und Aufsetzen zu eierigen Ausgleichskurven neigt, kann sie ein Stück weit vermeiden. Und schon geht es richtig schnell.

Abstoßen mit breiter Kante



Das Abstoßen ist der Vorgang in dem die Muskeln richtig arbeiten müssen - Ohne Abstoßen keine Beschleunigung

Es ist wichtig, die ganze Länge der Skates zum seitlichen Abstoßen zu benutzen. Wer etwas mehr auf den vorderen (Bildteil 1) oder hinteren Rollen (Bildteil 2) abstößt macht etwas falsch, denn dadurch fährt er bei jedem Schritt eine kleine Kurve mit dem Schuh und verliert dabei spürbar viel Energie.

Es ist nicht nur, dass man durch die Kurve Reibung an seinen Schuh heranlässt, krumme Schritte verkürzen den Schritt. Nur eine supergerade Linie führt zu hohen Geschwindigkeiten. Um hohes Tempo zuhalten, muss man sich auf gerade Schritte besonders konzentrieren.

Es ist also sinnvoller sich zu konzentrieren und ein paar wenige gerade Schritte zu machen, anstatt mit vielen schrägen Schritten sich selbst Geschwindigkeitsabstriche zu bereiten. Wenn man das Ziel des geraden Schritt erreicht hat, bemerkt man es daran, dass man sein ganzes Gewicht auf jeden Schritt bringt und sehr viel Kraft braucht, dafür aber mit wenigen Schritten auf höchstes Tempo kommt.

Man kann seine Gewohnheit gerade Schritte zu fahren, auch testen. Wenn man eine kurze Strecke, mit hoher Geschwindigkeit und viel Kraft gefahren ist, kann man die Rollen auf ihre Temperatur fühlen. Wenn die vorderen Rollen wärmer sind als die hinteren, treibt man den Schritt nach außen, weil man mehr Kraft auf den Vorderteil des Fußes verlagert. Im Idealfall sind alle Rollen etwa gleich warm. Oder falls man in die Verlegenheit kommt bei Regen, fahren zu müssen, merkt man beim rutschen auch ob man vorn oder hinten zu viel Kraft ansetzt.

Dieses Thema der nicht geraden Schritte soll aber niemand das Weltbild zerstören, dass Inliner nicht so schnell sein können wie Fahrräder. Hat man mal ein Rennen mit einem Fahrrad gemacht, sieht man vor allem nachts deutlich, dass das Vorderrad ganz heftig mitlenkt, wenn der Fahrradfahrer stark in die Pedale tritt. Außerdem sind ungerade Schritte auch so gut wie weg, wenn man sich Inliner mit fünf Rollen zulegt.

Schuhe mit langer Schiene leisten von sich aus ein steifere gerade Linie. Lange Schienen haben zum Beispiel Schuhe mit 5 Rollen oder mit 4 großen Rollen (>90 mm). Mit solchen Schienen steigert man die Wirksamkeit seiner Schritte.

Dynamischer Körper- und Handeinsatz

Das Nächste beim Abstoßen ist der richtige Einsatz des Körpers, denn ein straffer Körper wirkt nicht nur undynamischer, er beeinträchtigt die Bewegung negativ wie ein Klotz am Bein. Ein kräftiger gerader Abdruck entsteht mit dem richtigen Körpereinsatz.

Die Arme schwingen am besten skate-synchron mit, mit dem Zweck die Balance zu verbessern, die man sucht um den Schuh sauber auf die Straße zu setzen und auf ihn zu gleiten. Außerdem werden mit einer kräftigen Armbewegung die Schritte einen Tick länger - quasi zusätzliche Meter. Wer richtig schnell sein will, der sollte vielleicht auch noch die Muskulatur der Arme verstärkt trainieren.

Geschmeidiges Aufsetzen

Nach dem Abstoßen setzt man den anderen Fuß, der vorher 'geglitten' hat, auf. Wenn der Fuß mit zu viel Wucht aufkommt, wird der Rollwiderstand durch die enorme Last auf die Lager für die kurze Zeit des Auftreffens groß. Das führt bei der Vielzahl von Schritten schon zu Verlusten.

Von daher ist es besser man schont die Knie und die Kugellager und landet auf den Asphalt geschmeidiger wie ein Jumbo.

Spitze schnelle Außenseite



Nachdem Abstoßen und Aufsetzen abgeschlossen sind, folgt die Gleitphase. Die Gleitphase auf der Außenseite des Skates zu beginnen bringt zusätzliche Zentimeter, da man den Fuß dann schon mal weiter nach vorne bringt.

Außerdem fährt man auf der Außenseite im Allgemeinen leichter, weil hauptsächlich die Innenseite der Skates verschlissen wird und deswegen hat es außen die schärfere Kante. Das Umsetzen eines Fußes von der Außenseite zur Innenseite beim Abstoßen, wird durch eine spezielle Fußmuskulatur unterstützt, die sich durch diese Technik trainiert.

Der Kernpunkt: Effektives Pendeln

Das Pendeln ist so zu verstehen: Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Pendel, das quer zur Straßenrichtung pendelt. Sie fahren technisch sauber im V-Schritt von links nach rechts. Dabei pendelt Ihr volles Gewicht und durch den Einsatz der Beine kommen Sie immer wieder von der einen Seite zur Anderen.

Letztlich ist es weder fürs Rollen noch fürs Beschleunigen ideal, wenn das ganze Gewicht des Körpers mit jedem Schritt Zickzack fährt. Mücken fliegen Zickzack, damit sie nicht so leicht gefangen werden. Nun sind wir aber Zweibeiner und dort geht es nicht einmal langsam zu laufen ohne ein wenig zu Schaukeln. Selbst der Galopp oder das Traben auf einem vierbeinigen Pferd läuft nicht rund. Effektives Pendeln würde erfordern, dass man den Körperschwerpunkt, der so ungefähr beim Bauchnabel liegt, seitlich gar nicht bewegt, sondern wenn überhaupt nur zur Drehachse der ganzen Pendelbewegung festlegt.

Es ist der Kernpunkt, denn für effektives Pendeln müssen alle Register der Skatetechnik gezogen werden. Dabei kommt der Po für die Bewegung der Beine voll zum Einsatz und die Balance der Arme sorgt dafür, dass der Körperschwerpunkt stabilisiert ist und nur der volle Kraftweg der Beine (wie in Knie beugen beschrieben) kann es schaffen das sich der Körper seitlich überhaupt nicht mehr bewegt.

Wenn man mal an dem Punkt angelangt ist, will man glaub gar nicht mehr aufhören zu beschleunigen und man müsste ein völlig neues Pendeln erfahren.

Fazit: Bewegungseinklang

Der Bewegungseinklang ist die letzte Konsequenz dieser Seite. Denn wer jetzt versuchen wird, all diese Tipps beim Fahren umzusetzen und zu erlernen, wird sich bald in einem ästethischen Fahrstil wieder finden, der schnell ist, schön aussieht und gesund ist.

Ein wichtiger, nicht zu vergessender, Schritt zum Bewegungseinklang, ist auf jeden Fall eine gleichmäßige Atmung im Rhythmus der Bewegungsschritte. Eine gleichmäßige Atmung auf langen Strecken, führt zu einer viel größeren Ausdauer, die uns schnell ans Ziel führt und besonders gesund ist.

Zusätzliche Taktiken für hohe Geschwindigkeiten

Zusätzliche Taktiken für hohe Geschwindigkeiten

Ständige Beschleunigung

Ein gedankliches Hilfsmittel kann helfen mentale Steigungen ein wenig zu ebnen. Zum Beispiel der Gedanke der ständigen Beschleunigung. Dabei ist das Ziel jedes einzelnen Schrittes einzig und alleine Beschleunigung. Dadurch legt man den Akzent auf schnelleres Fahren und merkt durch die Anstrengung und Konzentration weniger Ermüdung und Schlappheit an Bergen, auf die man sich sonst hochschleppen müsste.

Motivation ist alles, man kann viel mehr erreichen, wenn man positiv drauf ist und man ein Ziel vor den Augen hat. Ein kleiner Geheimtipp ist, Konzentration. Wenn man sich stark auf das Gleiten konzentriert, merkt man kaum noch Anstrengung bei den Schritten sondern macht schöne präzise lange Schritte und kommt schnell auf hohes Tempo.

Wenn man einen guten Skatestil verinnerlicht hat und die Schuhe auch bei den stärksten Schritten so gerade laufen, dass nur der kleinste Anteil der Energie in Verluste umgewandelt wurde, ist das Skaten einfach und locker. Im Enddefekt heißt es dann nur: Sich selbst beschleunigen um Tempo zu erfahren. Und wann hat man die Gelegenheit zu beschleunigen? Bei jedem Schritt kann man schneller werden. Also versucht der Körper von Schritt zu Schritt sich selbst zu beschleunigen.

Schuss fahren

Patentrezept auf jeder Steige ist das Schussfahren im Falle eines Gefälles. Wie beim Skifahren, stellt man die Schuhe nebeneinander, wie im Stand, hin und geht mit der Brust bis runter auf die Knie. In der Theorie gibt das 66 % weniger Luftwiderstand und in der Praxis einen effizienten Höllenritt in die Tiefe.

Rückwärts fahren



Rückwärtsfahren ist nicht nur lustig, sondern kann bei längeren Touren durch eine andere Muskelbeanspruchung und durch die Abwechslung auch sehr entlastend wirken. Sehr zu empfehlen ist es bei starkem Gegenwind und leichter Steigung, denn durch Ihre Haltung beim Rückwärtsfahren, haben Sie eine etwas windschnittigere Form und den Rückenwind im Gesicht.

Windschatten

Ideal für hohe Geschwindigkeiten sind gleichgesinnte Leute im Auto, auf Fahrrad oder hoch auf Skates. Nutzen Sie deren Windschatten und geben Sie bei Gelegenheit auch Schwächeren die Möglichkeit Ihren Windschatten zu nutzen.

Dieser Effekt ist für uns Unmotorisierte, schon bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht zu leugnen.

Windsegeln

Etwas Tolles am Skaten, ist die drehbare Rückenhaltung. Das ermöglicht Neuland auf dem Festland, durch das Miteinbeziehen der Windrichtung in die Fahrweise. Dazu sollte man die Stellung eines Segels bei verschiedenen Windrichtungen kennen und anwenden, als Segel dient der Rücken.

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